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Nachhaltige Mode aus Berlin: Clémence de Lafosse

Wenn Haute Couture auf Glam Rock trifft und dabei noch nachhaltig ist, dann klingt das nach einer Idee, wie sie eigentlich nur aus Berlin kommen kann. Wie sich die französische Nachwuchsdesignerin Clémence de Lafosse mit ihrer nachhaltigen Mode in Berlin selbst verwirklichen konnte und warum das in Paris nicht möglich war, erklärt sie uns in einem Interview.

Die französische Designerin Clémence de Lafosse in ihrem Studio in Berlin
© 2020 Clémence de Lafosse

Als wir die Kreuzberger Altbauwohnung von Clémence de Lafosse betreten, fällt uns sofort auf: Die Designerin lebt nach ihren Überzeugungen. Überall stehen kostbare Vintage-Möbel und kleine Second-Hand-Fundstücke. Poster von 90er-Jahre-Filmen, skizzenhafte Entwürfe und alte Modellfotos zieren ihre Wände. Das Herzstück ihrer Wohnung ist eine alte Vintage-Nähmaschine.

„Nach drei Wochen in Berlin habe ich sie mir aus Paris zurückgeholt und sofort angefangen zu nähen“, erklärt Clémence de Lafosse. „Und plötzlich kamen Leute auf mich zu und sagten: ‚Oh, du bist Designerin? Ich möchte dir helfen!‘ Und genau das hatte ich gehofft!“

Damit klärt sie auch schon fast unsere dringendste Frage: Was bringt eine junge Designerin aus der Modemetropole Paris ausgerechnet nach Berlin? „Ich wollte schon immer in Berlin leben“, sagt Clémence de Lafosse. Aber es steckt noch mehr dahinter: „In Paris war es damals wirklich kompliziert. Es war eine schwierige Stadt für eine junge Designerin. Es fiel mir schwer, mich auszudrücken. Und ehrlich gesagt hatte ich nicht genug Geld. Dies war auch der Grund, warum ich anfing, gebrauchte Stoffe zu benutzen. Aber damals in Paris stieß man damit überhaupt nicht auf Anklang. Gebrauchtes stand immer unter dem Generalverdacht von schlechter Qualität zu sein, daher war es einfach kein guter Moment für mich als Designerin durchzustarten. Alle interessierten sich nur für Neues und jeder hatte den gleichen Stil. Und ich wollte mich nur ausdrücken. Ich hörte von Berlin und wie verrückt und wie gut es für Künstler war, also dachte ich, ich würde mein Glück dort versuchen.“

Nach ersten Erfolgen und der positiven Resonanz der Berliner, arbeitete Clémence de Lafosse an ihrer ersten Kollektion ausschließlich mit Stoffen aus zweiter Hand. Inzwischen ist sie seit vier Jahren in Berlin und hat bereits ihre fünfte Kollektion „No season #2“ herausgebracht.

Mit Berlin als junge Modemetropole ist auch Clémence de Lafosse erwachsen geworden. Die Designerin hat sich hier selbst gefunden. Statt nur mit Second-Hand-Stoffen zu arbeiten, spezialisiert sie sich inzwischen auch auf das Upcycling von Vintage-Kleidung zu hochwertiger Couture.

Mit dem Thema Upcycling – also das Aufwerten alter Kleidungsstücke – kam Clémence de Lafosse schon in Kindheitstagen in Berührung. „Mein Vater ist Rundfunksprecher und macht Videos für die Modebranche. Durch ihn lernte ich Martin Margiela kennen, einen berühmten belgischen Designer, der seine Entwürfe aus gebrauchten Kleidungsstücken auf eine neue Art und Weise kombiniert. Ihn zu treffen war das Unglaublichste in meinem Leben und ich war erst 15 Jahre alt.“

Ihre Stoffe und Kleidung bezieht Clémence de Lafosse aus Second-Hand-Läden. „Auch Knöpfe“, betont die französische Designerin. Damit sei sie zu 99% nachhaltig, „da ich Fäden und Reißverschlüsse neu kaufe.“

Neben den offensichtlichen Gründen (Klimawandel, Ressourcenknappheit…), sich auf nachhaltige Mode zu spezialisieren, schwingt hinter Clémence de Lafosses Entscheidung auch ein Quäntchen Nostalgie mit: „Seit den 90er Jahren gibt es fast nur noch Massenproduktion. Vorher, bis Mitte der 90er Jahre, war die Qualität der Stoffe und die Schnitte der Kleidung viel besser.“ Darauf will sie sich zurückbesinnen.

Mit ihr hat alles begonnen: Die Vintage-Nähmaschine von Designerin Clémence de Lafosse
© 2020 Clémence de Lafosse

Das Bewusstsein für die Bewahrung von Althergebrachtem hat sie sich bei Dior schärfen lassen, wo sie unter anderem in der Heritage-Abteilung tätig war. „Zuerst war ich im Atelier Flou, dann arbeitete ich in der Heritage-Abteilung, wo es Bücher mit alten Dior-Sammlungen gibt (es war verrückt, ich habe Handschuhe zum Umblättern benutzt!) und am Ende war ich Pressereferentin und ich lernte, wie man das Erbe von Dior mit der Presse teilt.“

Wie viel von Dior findet sich in ihren Designs noch wieder?

„Haute Couture natürlich! Große Kleider!“, sagt Clémence de Lafosse. „Das ist ganz klar der Einfluss von Dior, aber ich hatte es schon vorher in mir. Denn als ich mich an der Mod'art International School bewarb, sagte ich dem Direktor, dass ich John Galliano von Dior sein möchte. Und ich war 18! Ich habe John Galliano immer für seine großen Kleider mit Korsett geliebt. Ich mag auch Korsetts, aber ich mache sie nicht so oft, weil sie wirklich kompliziert zu tragen sind und ich keine Haute-Couture-Mode mache. Was ich mache, ist eine Mischung aus Haute Couture und Prêt-à-Porter-Mode. Aber ich bin verrückt nach diesen großen alten Kleidern, ein bisschen wie Vivienne Westwood. Vivienne Westwood hat zusätzlich diesen Punk-Touch, den ich auch mag. Ich denke also, ich bin eine Mischung aus den drei Designern: Martin Margiela, John Galliano und Vivienne Westwood.“

Punk-Touch ist unser Stichwort! Ihr Faible für rockige Designs und Glitzer fällt auf. „Ich mache Glam-Rock-Mode. Ich bin schon lange verrückt nach dieser Bewegung. Ich bin verrückt nach David Bowie und ich liebe auch die Punk-Bewegung. Ich mag Glamour aber auch Rock, also ist die Kombination einfach perfekt für mich. Ich mache Mode mit einem Hauch von Glamour, einem Hauch von Rock und einem Hauch von Punk.“

Weniger lässt sich Clémence de Lafosse durch die Arbeit ihrer Zeitgenossen beeinflussen. „Ich verbringe viel Zeit mit verschiedenen Medien und auf Pinterest. Aber wenn ich arbeiten will, schalte ich alles aus und versuche, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Denn je mehr ich sehe, was andere Leute tun, desto weniger kreativ bin ich. Also bleibe ich in meiner Wohnung, in meiner Umgebung, mit alten Büchern und anderen Gegenständen oder gehe in einen Vintage-Laden, weil ich mich nicht beeinflussen lassen möchte.“

Inspiration findet sie in der Popkultur. Musik (Pink Floyd, Bowie, Lou Reed, Joy Division) aber auch Filme beeinflussen die junge Designerin. „Ich bin verrückt nach alten Filmen aus den 70ern, 80ern und 90ern“, sagt Clémence de Lafosse und nennt Filme wie Wild at Heart und True Romance. Auch Velvet Goldmine – ein schrilles Biopic angelehnt an das Leben von David Bowie – sei eine wichtige Inspirationsquelle. „Wenn ich an den Film denke, habe ich die Farben Blau, Pink, Glitzer, ein bisschen Schwarz im Kopf. Diese Farben schwebten mir auch vor, als ich meine letzte Kollektion entworfen habe, aber es ist nicht so, dass ich etwas aus Filmen nehme und in meine Kollektion stecke – es ist ein ganzer Prozess in meinem Kopf.“

Designerin Clémence de Lafosse mit einer upgecycleten Jacke aus ihrer Kollektion
© 2020 Clémence de Lafosse

Und was steht jetzt an?

„Gerade bin ich wieder zurück aus Paris. Am 22. November 2019 habe ich dort eine große Auftaktparty (200 Leute!) organisiert. Dies hängt mit meinem neuen Projekt zusammen – einer Community von nachhaltigen Designern namens ‚Fight Fake Fashion‘. Dabei handelt es sich um ein Pariser und Berliner Kollektiv, das versucht, eine Gemeinschaft von umweltbewussten Designern zu schaffen, die sich an gemeinsamen Werten orientiert: lokale Produktion, das Herstellen in kleinen Mengen, die Verwendung von Second-Hand-Stoffen sowie -Materialien, Produktions- und Vertriebstechniken, welche die Umwelt respektieren, Abfallreduzierung und Kreislaufwirtschaft. Zu dieser Party haben wir mehrere Marken eingeladen, denn jetzt sind die Leute in Paris bereit, nachhaltige Mode zu schätzen. Neben meiner eigenen Marke – Clémence de Lafosse – waren Dante Paris und Silly Boy Studio anwesend.“ Aber damit nicht genug. Ganz nebenbei arbeitet die Designerin noch an ihrer neuen Kollektion: „No Season #3“.

Auch in Berlin fand am 14. Dezember 2019 die erste ‚Fight Fake Fashion‘-Veranstaltung statt. „Ich wurde eingeladen, auf der Party ‚Rings of Neptune‘ im Club Hoppetosse ein Pop-up-Bekleidungsgeschäft zu eröffnen.“

Ganz verlassen will Clémence de Lafosse Berlin also nicht. „Aber ich möchte den Parisern nachhaltige Mode näher bringen. Ich plane, diese Brücke zwischen den beiden Städten zu schlagen, weil ich jetzt eine halbe Berlinerin bin.“

Das klingt nach einem spannenden Projekt! Wir wünschen Clémence de Lafosse alles Gute dafür und freuen uns sehr darauf, noch viel von ihr zu hören.

Clémence de Lafosse

Modedesignerin

Ihr Handwerk lernte die gebürtige Französin an der Mod‘art International School. Nach ihrem Abschluss sammelte sie erste Erfahrungen bei keinem geringeren Label als „Dior“. Seit 2010 ist Clémence de Lafosse als Modedesignerin tätig. Was sie ihren Kunden bietet? Nachhaltige Mode aus Vintage-Stoffen mit einem Hauch von Glam Rock und Haute Couture! Entdecke ihre Mode jetzt auf:

clemencedelafosse.com

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